Suizid verarbeiten: Das können Sie tun
Gegen Trauer gibt es keine schnellen Rezepte. Sie zu überwinden braucht Zeit und Arbeit, die sogenannte Trauerarbeit. Nach einem Suizid ist Trauer besonders schwer. Jeder Mensch geht mit Verlust unterschiedlich um. Wichtig ist, die Trauer zuzulassen und das Geschehene zu verarbeiten. Hier teilen wir, was anderen in ähnlichen Situationen geholfen hat.
Das Gespräch suchen
Über den Suizid eines nahen Menschen zu sprechen, fällt vielen schwer. Sowohl die Hinterbliebenen wie auch ihr Umfeld sind oft überfordert oder unsicher, wie sie vorgehen können. Gespräche helfen, das Geschehene einzuordnen, die eigenen Gefühle zu reflektieren und neue Perspektiven zu finden. Unter «Das Gespräch suchen» finden Sie konkrete Gesprächstipps.
Gefühle und Gedanken ausdrücken
Die Trauer zuzulassen und ihr Ausdruck zu verleihen – sei es in Worten oder auf andere Weise – wirkt für die meisten entlastend. Schreiben, Malen, Musizieren, Gartenarbeit, Spaziergänge, Tanz, Meditation sind mögliche Wege, um angestaute Trauergefühle nach aussen zu tragen und loszulassen.
Dem Trauerprozess Zeit lassen
Trauern braucht bei jeder Person unterschiedlich viel Zeit. Versuchen Sie zu akzeptieren, dass Ihre Trauer immer wieder aufflammen kann. Trauer ist nichts Schlechtes. Trauer hilft, das Geschehene zu verarbeiten.
Rituale pflegen
Kleine Rituale können im Trauerprozess helfen und Halt geben. Beispiele für Rituale sind: Regelmässig eine Kerze anzünden, einen Baum pflanzen, ein Fotoalbum anlegen, ein Musikstück hören, eine Gedenkveranstaltung abhalten, das Grab pflegen oder an schöne Erlebnisse denken.
Die eigenen Ressourcen pflegen
Trauerarbeit ist anstrengend. Achten Sie auf sich: Essen Sie regelmässig und ausgewogen, bewegen Sie sich oft – beispielsweise draussen in der Natur – und gönnen Sie sich ganz bewusst Erholung. Gemeinsam fällt vieles leichter. Suchen Sie sich eine Person, die Sie unterstützen und motivieren kann.
In der Familie: Unterschiedliche Trauerarbeit akzeptieren
Jedes Familienmitglied trauert in einem anderen Rhythmus und hat andere Bedürfnisse. Versuchen Sie, offen über die unterschiedlichen Befindlichkeiten und Bedürfnisse zu sprechen. Akzeptieren Sie auch, wenn jemand im Moment noch nicht dazu bereit ist. Suchen Sie auch Ansprechpersonen ausserhalb der Familie.
Bei Kindern stellt sich die Frage, was man ihnen über Suizid erzählen soll. Bleiben Sie bei der Wahrheit. Wenn man anfänglich zu Notlügen greift, kann das später zu Vertrauensverlust führen. Die Broschüre «Den Kindern helfen. Wie Sie Kinder nach einem Suizid unterstützen können» (PDF) für Eltern und andere Betreuungspersonen vermittelt weitere Tipps.
Auf Belastungssymptome achten und bei Bedarf Hilfe holen
Achten Sie auf Belastungssymptome wie Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Reizbarkeit, ständige Müdigkeit, Appetitlosigkeit, oder auch den vermehrten Konsum von Suchtmitteln. Bleiben diese Symptome über längere Zeit bestehen oder werden stärker, suchen Sie Hilfe – Adressen finden Sie hier.
Strategien für den Notfall zur Hand haben
Falls Suizidgedanken auch bei Ihnen aufkommen sollten, suchen Sie sofort Hilfe. Sprechen Sie über diese Gedanken. Unter «In der Krise» finden Sie Anregungen, was Sie bei eigenen Suizidgedanken tun können.

